Konsequenzen der Digitalisierung auf die Geschäftsmodelle von Treuhändern

In der letzten Zeit wird viel über die Digitalisierung von Geschäftsmodellen diskutiert. Dabei werden durch disruptive Innovationen analoge Geschäftsmodelle revolutioniert und herkömmliche Wettbewerbsstrategien teilweise radikal in Frage gestellt. Von dieser Entwicklung ist auch die Treuhandbranche betroffen. Über eine Digitalstrategie verfügen aber die wenigsten Treuhänder. Dabei lassen sich durch die gezielte Digitalisierung von Services oder Prozessen erhebliche Chancen realisieren und die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Treuhänder müssen unternehmensspezifische Einschätzungen vornehmen, indem unter Berücksichtigung unterschiedlicher Einflussgrössen wie aktuelles Geschäftsmodell, gegenwärtige Marktsituation oder künftige Branchenentwicklung die Chancen und Risiken der Digitalisierung systematisch aufgenommen und bewertet werden. Die Zusammenführung der Ergebnisse der Chancen- und Risikoanalyse in einem Digitalportfolio ermöglicht konkrete (Norm-)Aussagen hinsichtlich der Digitalstrategie eines Treuhänders (vgl. Abbildung 1).

DigitalportfolioAbbildung 1: Digitalportfolio (In Anlehnung an Nolan/McFarlan 2006).

Die Kombination der ermittelten Chancen- und Risikopotenziale im Zusammenhang mit der Digitalisierung eines Treuhandunternehmens ist ein zentraler Anhaltspunkt für die Beurteilung der Stärken und Schwächen und damit des Reifegrades der Digitalisierung im Unternehmen. Sie liefert wichtige Argumente zur Positionierung im Markt. Beispielhaft soll Abbildung 1 anhand des Supportmodus erläutert werden. Für ein Treuhandunternehmen im Supportmodus ergeben sich folgende Aufgabenbereiche:

  • Analyse der Veränderung der strategischen Relevanz der Digitalisierung
  • Eindringen neuer Wettbewerber (Start-up-Unternehmen, Banken)
  • Monitoring der digitalen Aktivitäten bestehender bzw. neuer Wettbewerber

Im Umfeld der etablierten Treuhandbranche versuchen sich neue Anbieter zu positionieren aber auch Banken versuchen durch Ausweitung des Dienstleistungsangebots, Marktanteile der Treuhänder zu gewinnen. Die digitalen Veränderungen in und um die Treuhandbranche müssen erfasst, analysiert und bewertet werden. Zusätzlich müssen Möglichkeiten der Steigerung der operativen Effizienz durch die Digitalisierung überprüft werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.

Wirtschaftlichkeit der digitalen Transformation von Prozessen bei Treuhändern

Treuhänder müssen permanent ihre Investitionen in die Digitalisierung überprüfen. Erschwerend wirken sich insbesondere der schnelle Technologiewandel und die damit verbundene Unsicherheit aus. Damit gewinnt insbesondere die Informationstechnologie an Bedeutung, die komplexitätstreibend einen internen und externen Fokus besitzt. Neben der Optimierung interner Prozesse müssen im Rahmen einer unternehmensübergreifenden Prozessoptimierung auch Geschäftspartner einbezogen werden. Massgeblich beeinflusst durch die zunehmende Digitalisierung zur effizienten Transaktionsabwicklung von zwischenbetrieblichen Prozessen ist es von zentraler Bedeutung, die Kosten und den Nutzen detailliert zu bestimmen, um sie als Grundlage für strategische Entscheidungen einsetzen zu können.

Durch die Einführung digitaler Prozesse sollen vor allem die Koordinations-, Kommunikations- und Administrationskosten reduziert werden. Die Kosten der digitalen Prozesse können dabei auf der Transaktions-, Kanal- und Kundenebene bestimmt werden. Zusätzlich gewinnt die unternehmensübergreifende Kostenanalyse der Geschäftspartner an Bedeutung, da aus der engen Verzahnung zwischen Unternehmen in der gesamten digitalen Wertschöpfungskette oft bedeutende Kostensenkungspotenziale resultieren. Kostenanalysen entlang der Wertschöpfungskette setzen jedoch eine kooperative Beziehung zwischen den Unternehmen voraus, um die Erhebung und den Austausch von Kosteninformationen zu ermöglichen. Wesentlichen Einfluss auf die Kosten haben dabei insbesondere die Anzahl der Transaktionen und Transaktionstypen.

Die Adoption und Implementierung digitaler Prozesse ist mit einem entsprechenden Kapitalaufwand verbunden. Um langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten, muss deshalb die Ex-ante-Evaluation des elektronischen Geschäftsverkehrs ein integraler Bestandteil der Digitalstrategie sein. Im Zentrum der Evaluation steht die Bestimmung des Nutzens für das Unternehmen. Realisiert ein Unternehmen nicht den erhofften Nutzen, ist der Prozess für die Rechtfertigung der Digitalinvestition inadäquat und/oder das Unternehmen muss den Ansatz zur IT-Adoption überdenken, möglicherweise durch ein Reengineering der Geschäftsprozesse.

Der Nutzen digitaler Prozesse lässt sich in operativen und strategischen Nutzen einteilen. Der operative Nutzen entsteht durch niedrigere Transaktions- und Produktionskosten, beispielsweise durch schnellere Rechnungserstellung und Zahlungsvereinbarungen sowie Automatisierung und Rationalisierung von Geschäftsprozessen. Strategischer Nutzen lässt sich durch engere Kundenbeziehungen und die Entwicklung neuer Dienstleistungen zwischen den Unternehmen realisieren. Eine zunehmende Standardisierung und Modularisierung von Geschäftsprozessen im Kontext der Digitalisierung erfordert zeit- und ressourcenintensive Anpassungen an die Organisation bzw. der Organisation an die neuen Systeme. Die Analyse der zu erwartenden Kosteneinsparungen kann einen entscheidenden Einfluss auf die Systemadoption haben. Die Verfügbarkeit eines umfassenden Controlling, das die Kosten- und auch die Nutzenaspekte durch die Digitalisierung mehrdimensional erfasst, ist deshalb entscheidend für die Validierung von Digitalisierungs-Projekten auf dieser Ebene.

Fazit

Treuhänder investieren zunehmend in die Digitalisierung. Zahlreiche digitale Potenziale zur Senkung von Transaktionskosten werden allerdings entweder gar nicht oder nur sehr zögerlich ausgeschöpft. Zur nachhaltigen Sicherung der Ertragsfähigkeit der Treuhänder ist es aber unerlässlich, diese digitalen Potenziale zu nutzen. Auch darf sich die Digitalisierung von Prozessabläufen bei Treuhändern nicht nur auf einzelne Bereiche beschränken, sondern muss konsequent über die gesamte Wertschöpfungskette realisiert werden. Nach wie vor existieren zu viele Medienbrüche bei der Erfassung, Analyse und Bewertung sowie Dokumentation der Daten. Dies führt zu Ineffizienzen. Gleichzeitig fördert die Digitalisierung die Disruption des traditionellen Geschäftsmodells der Treuhänder. Es ist deshalb elementar, die Digitalisierung in der Treuhandbranche einer Analyse zu unterziehen, welche die Strategie, die Umsetzung und den Lebenszyklus konsequent begleitet und kritische Fragen stellt.

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