Digitalisierung in der Treuhandbranche

Heutzutage werden das gesellschaftliche Zusammenleben als auch die ökonomischen Strukturen stark durch das Internet geprägt. Diese Entwicklung wirkt sich auch auf das Geschäftsmodell der Treuhänder aus. Die Treuhandbranche besteht aus Dienstleistungs-unternehmen der Wirtschaftsprüfung und der Wirtschaftsberatung. Gemäss dem Bundesamt für Statistik (BfS) beschäftigte die Gruppe „Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung“, zu welcher auch die Treuhandbranche zählt, im vierten Quartal 2014 rund 67‘000 Beschäftigte. Zu den Kerndienstleistungen der Treuhänder zählen die Bereiche Buchführung, Steuerberatung und Unternehmensberatung. Diese Bereiche werden durch die zunehmende Digitalisierung der Geschäftsprozesse stark beeinflusst. Gegenwärtig ist der Digitalisierungsschub in der Treuhandbranche zwar erst in einem Anfangsstadium. Er wird in der Branche aber forciert durch verschiedene staatliche Regulierungsvorgaben und den zunehmenden Kostendruck.

Digitales Wertschöpfungs-Netzwerk in der Treuhandbranche

Die Digitalisierung bedeutet für die Treuhandbranche zum einen, dass papierbasierte, manuelle Transaktionen (und damit letztendlich ganze Prozesse) durch digitale und automatisierte Transaktionen ersetzt werden. In der Treuhandbranche besteht heute grosses Potenzial, die gesamte Wertschöpfungskette bzw. das ganze Wertschöpfungs-Netzwerk zu digitalisieren. Die Abwicklung von Geschäftsprozessen erfolgt bei Treuhändern im optimalen Fall in einem digitalen Wertschöpfungs-Netzwerk mit eng zusammenarbeitenden Partnern (vgl. Abbildung 1). Dieses Netzwerk (im engeren Sinne) besteht aus

  • Treuhänder,
  • Kunde,
  • Steuerbehörde,
  • Software- und
  • Hardware-Anbieter.

Die Kern-Prozesse umfassen bei den Treuhändern insbesondere die Bereiche Erfassung, Verarbeitung, Analyse & Entscheid sowie Output. Geschäftsdokumente, Daten und Informationen müssen im ERP-System erfasst werden, damit sie in einem weiteren Schritt verarbeitet werden können. Das ist die Grundlage, um umfassende Analysen durchzuführen und Entscheidungen sowie Massnahmen vorzubereiten. Als Output werden dann z. B. Reports, Abrechnungen oder Jahresrechnungen generiert. Bereits heute existieren verschiedenste Applikationen, um diese Geschäftsprozesse effizienter und kostengünstiger abzuwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Im Idealfall wird aber über das gesamte digitale Wertschöpfungs-Netzwerk ein abgestimmter, integrierter Workflow mit lückenloser Dokumentation der Arbeiten, Dokumente und Ergebnisse aufgesetzt.

Digitale Wertschöpfungsnetzwerk

Abbildung 1: Digitales Wertschöpfungs-Netzwerk in der Treuhandbranche.

Gespräche mit verschiedensten Akteuren aus dem Wertschöpfungs-Netzwerk haben denn auch gezeigt, dass sich die Digitalisierung von Prozessabläufen bei Treuhändern nicht nur auf einzelne (Teil-)Bereiche beschränken darf. Die Digitalisierung von Prozessabläufen muss vielmehr konsequent über das gesamte Wertschöpfungs-Netzwerk realisiert werden. Ansonsten existieren nach wie vor zu viele Medienbrüche bei der Erfassung, Analyse und Bewertung sowie Dokumentation von Daten. Nur eine integrative Sichtweise kann Ineffizienzen verhindern und die vollen Nutzenpotenziale freisetzen. Verschiedene Applikationen (z. B. Cloud-Computing, mobile Apps, Online-Plattformen und onlinebasierte Buchhaltungssysteme) können eingesetzt werden, um Geschäftsprozesse effizienter abzuwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.

Zum anderen ermöglicht die Digitalisierung aber auch ganz neue Dienstleistungsangebote durch Treuhänder. Denn durch die Digitalisierung werden sich die klassischen, operativen Aufgaben des Treuhänders reduzieren. Dies setzt Ressourcen frei für andere, wertgenerierende Tätigkeiten und die Möglichkeiten zur Profilierung seines Geschäftsmodells. Der digitale Wandel hat das Potenzial, die Art und Weise sowie den Umfang der Dienstleistungserbringung in der Treuhandbranche fundamental zu verändern.

Digitaler Lebenszyklus

Aus diesen Gründen investieren Treuhänder zunehmend in die Digitalisierung. Zahlreiche digitale Potenziale zur Senkung von Transaktionskosten werden allerdings entweder gar nicht oder nur sehr zögerlich ausgeschöpft. Zur nachhaltigen Sicherung der Ertragsfähigkeit der Treuhänder ist es aber unerlässlich, diese digitalen Potenziale zu nutzen. Auch darf sich die Digitalisierung von Prozessabläufen bei Treuhändern nicht nur auf einzelne Bereiche beschränken, sondern muss konsequent über die gesamte Wertschöpfungskette realisiert werden. Nach wie vor existieren zu viele Medienbrüche bei der Erfassung, Analyse und Bewertung und Dokumentation der Daten. Dies führt zu Ineffizienzen. Gleichzeitig fördert die Digitalisierung die Disruption des traditionellen Geschäftsmodells der Treuhänder. Es ist deshalb elementar, die Digitalisierung in der Treuhandbranche einer Analyse zu unterziehen, welche die Strategie, die Umsetzung und den Lebenszyklus konsequent begleitet und kritische Fragen stellt:

Dimension Strategie

  • Welche Ziele verfolgen Treuhandunternehmen mit der Digitalisierung?
  • Welchen Wertbeitrag (Business Case) bringt die Digitalisierung?
  • Wer sind die Partner einer digitalen Wertschöpfungskette für Treuhänder (z. B. Hard- und Softwareanbieter)?
  • Welche neuen Dienstleistungen oder gar Geschäftsmodelle sind dank der Digitalisierung möglich?
  • Wie wird die Digitalisierung in die bestehende IT-Landschaft integriert?
  • Welche Standards werden für den Datenaustausch in der Treuhandbranche genutzt?

Dimension Umsetzung

  • Ist das Digitalisierungskonzept schlüssig?
  • Wie sind Digitalisierung und Vertrauen in der Treuhandbranche vereinbar?
  • Welche Inhalte und Funktionen sind nötig, damit die Digitalisierung den angestrebten Mehrwert bieten kann?
  • Welche Abteilungen, Personen, Dienstleister und Kunden müssen in das Digitalisierungs-Projekt einbezogen werden?
  • Müssen vorhandene Prozesse für die Digitalisierung angepasst werden?
  • Welche Schnittstellen müssen berücksichtigt werden?
  • Welche Daten müssen übertragen werden und wie werden sie vor unbefugtem Zugriff geschützt?
  • Welche Sicherheitsanforderungen müssen in Bezug auf die Digitalisierung verstärkt berücksichtig werden und welche Kriterien sind seitens Treuhänder oder seitens Kunde relevant?

Dimension Lebenszyklus

  • Wie gestalten sich Hosting, Betrieb und Support der Digitalisierung?
  • Wie werden die laufenden Kosten gesteuert?
  • Welche digitalen Fähigkeiten müssen Mitarbeitende besitzen?
  • Wie wird sichergestellt, dass technische Entwicklungen wahrgenommen, beurteilt und situationsgerecht implementiert werden?

Fazit

Durch die digitale Transformation verändern sich nicht nur die Dienstleistungsangebote, sondern auch die Wertschöpfungskette und ganze Geschäftsmodelle in der Treuhandbranche. Um die Vor- und Nachteile der Digitalisierung für Treuhänder transparent zu machen, ist eine Digitalstrategie notwendig und das erfolgreiche Herunterbrechen dieser Strategie auf die digitale Wertschöpfungs-Netzwerk zwingend.

Auszug aus dem Referat „Digitalisierung in der Treuhandbranche“ von Ulrich Egle und Christian Bitterli bei der Schweizerische Revisionsgesellschaft am 28. Juni 2016.

 

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