Digitalisierung ist nicht primär Technologie!

von Prof. Bruno R. Waser, Dozent für Prozess- und Operations-Management sowie Innovations- und Technologiemanagement an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Er ist Studienrichtungsverantwortlicher Value Network & Process Management.

 

Es vergeht kaum ein Tag an dem nicht in irgendeinem Zusammenhang der Begriff ‚Digitalisierung‘ genannt wird. Dies nicht zuletzt, da die ‚digitale Transformation‘ alle Lebensbereiche der Menschen beeinflusst bzw. beeinflussen wird.

Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee haben in ihrem Buch „The Second Machine Age“ die aktuelle Situation so beschrieben, dass wir am Beginn eines zweiten Maschinenzeitalters stehen, bei denen die Digitalisierung bzw. deren Technologien für die geistigen Kräfte des Menschen das sind, was die mechanischen Maschinen für die Muskelkraft waren.

Die damit verbundenen unternehmerischen wie gesellschaftlichen Herausforderungen (fortschreitende Internationalisierung des Wettbewerbs, zunehmende Digitalisierung von Produkten und Prozessen) führen zur Frage, wie sich Länder, Unternehmen, Individuen in diesem Wandel positionieren und ob diese zu den Gewinnern oder zu den Verlierern einer digitalisierten Wirtschaft gehören werden.

Speziell Schweizer Unternehmen sind, aufgrund des kleinen Binnenmarktes, traditionell international ausgerichtet. Mit der zunehmenden Globalisierung und Digitalisierung hat sich diese Entwicklung verstärkt. Durch die fortschreitende Digitalisierung von Produkten und Prozessen (> Internet of Things, Industrie 4.0) wird die Gestaltung von Wertschöpfungsketten sowie deren Geschäftsprozesse zu einem wettbewerbsentscheidenden Erfolgsfaktor. Dies gilt – unabhängig der Begriffe – nicht zuletzt auch für Dienstleistungs-Unternehmen.

Um die Potenziale der Informations- und Kommunikationstechnik wirklich ausschöpfen zu können, müssen Strategie (Geschäftsmodell) und Organisation (Strategie > Prozesse > Strukturen), wie auch die dazu erforderlichen Fähigkeiten der Mitarbeitenden, entwickelt werden. Denn nur wenn Strategie und Organisation mit der Technik und Qualifikation aufeinander abgestimmt sind, können die angestrebten Effizienz- und Effektivitäts-Ziele erreicht werden.

Neben der Digitalisierung von Produkten ist vor allem die Digitalisierung von Prozessen eine Herausforderung für Unternehmen wie auch die Gesellschaft. Dies nicht zuletzt, weil traditionelle Geschäftsmodelle in Frage gestellt und dekonstruiert werden. Das heisst ‚Digitalisierung‘ ist nicht primär eine Frage der Technologie. Es geht vielmehr darum, im Rahmen der Entwicklung von neuen/veränderten Geschäftsmodellen, einerseits Leistungsangebot und Ertragsmodell sowie andererseits Organisation, Technologie und Qualifikation der entsprechenden Wertschöpfungsnetzwerke in Einklang zu bringen.

Der erfolgsbestimmende Aspekt einer ‚digitalen Transformation‘ ist die Unternehmens-/Führungskultur. Das heisst, inwieweit ist die Unternehmensleitung (inkl. VR) willens und fähig, eine Digitalisierungsstrategie zu entwickeln und zu formulieren. Dazu gehört eine realistische Beurteilung nicht nur der Chancen und Gefahren, sondern auch der eigenen Stärken und Schwächen. Dies kann bspw. im Rahmen eines Reifegradmodells erfolgen, in dem die IST- und SOLL-Position eines Unternehmens bezüglich Digitalisierung bewertet  und konkrete Potenziale und Projektvorschläge abgeleitet werden.

Die Digitalisierung bietet den Unternehmen ein grosses Chancenpotenzial. Die Nutzung derselben erfordert jedoch entsprechende Kompetenzen, um firmenspezifisch die Möglichkeiten zu erkennen sowie resultierende Optionen abzuleiten.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Erkenntnisse bietet die Hochschule Luzern – Wirtschaft seit Frühjahr 2016 die Bachelor-Studienrichtung ‚Value Network & Process Management‘ an. Studierende vertiefen dabei Themen wie die Entwicklung von Geschäftsmodellen, die Gestaltung und Optimierung inner- und überbetrieblicher Geschäftsprozesse sowie Prozessmanagement und #DigitalBusiness. Im Weiteren werden anwendungsorientierte Kompetenzen zu spezifischen Ausprägungen transnationaler Organisationen sowie Projekt- und Innovationsmanagement vermittelt.

Weitere Informationen zur Studienrichtung ‚Value Network & Process Management‘ finden Sie hier. 

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