Industrie 4.0 – Wertschöpfungspotenziale für alle Branchen

Prof. Bruno R. Waser ist Dozent für Prozess- und Operations-Management sowie Innovations- und Technologiemanagement an der Hochschule Luzern – Wirtschaft. Er ist Studienrichtungsverantwortlicher Value Network & Process Management.

Mit dem Begriff Industrie 4.0 wird in unterschiedlichsten Zusammenhängen die stattfindende vierte industrielle Revolution thematisiert. Das Wissen über die Zusammenhänge und die Konsequenzen auf die Gesellschaft, deren Wirtschaft und Individuen, ist jedoch nach wie vor relativ bescheiden.

Die vierte Phase der industriellen Revolution zeichnet sich vor allem durch die informations- und kommunikationstechnische Vernetzung von Produkten sowie der inner- und überbetrieblichen Geschäftsprozesse aus. Das bedeutet, dass durch die stetige Miniaturisierung bei gleichzeitiger Leistungssteigerung der IuK-Technologien es heute möglich ist, ein ‚Internet der Dinge‘ aufzubauen und somit Geräte sowie Menschen zu vernetzen. Industrie 4.0 beinhaltet einerseits technologische Herausforderungen und bildet anderseits die Basis für neue Wertschöpfungspotenziale in Form von neuen Geschäftsmodellen.

Während die erste industrielle Revolution (Ende des 18. Jahrhunderts) durch den Einsatz von Wasserkraft und Dampfmaschinen in zentralisierten Fabrikationsstätten geprägt wurde, zeichnet die zweite Etappe (Anfang 20. Jahrhundert) die Einführung des elektrisch angetriebenen Fliessbands und deren Massenproduktion aus. Die dritte industrielle Revolution begann in den 1970er Jahren mit der Automatisierung der Leistungserstellung durch Roboter und Computer deren Software die anwendungsspezifische Programmierung von technischen und betriebswirtschaftlichen Abläufen ermöglichte.  Mit der zunehmenden Bedeutung der Informationstechnologie in produzierenden Unternehmen entstanden unter dem Begriff ‚Computer Integrated Manufacturing‘ (CIM) erste Konzepte zur Integration der Daten eingesetzter Computersysteme wie CAD, DNC, PPS und ERP.

Wie schon in den vorangehenden Etappen beeinflusst die technologische Entwicklung auch die Organisation der Arbeit, in denen bestehende Paradigmen hinterfragt wurden. So bspw.  Zentralisierung (Fabriken) vs. Dezentralisierung (Heimarbeit), Arbeitsteilung (Taylorismus) vs. Arbeitsintegration (teilautonome Teams), Aufbauorganisation (hierarchische Strukturen) vs. Ablauforganisation (Prozessorientierung).  Dabei ist festzustellen, dass die sich daraus entwickelnden Konzepte zur Steigerung der Effizienz und Effektivität (in unterschiedlicher Ausprägung) in allen Branchen/Sektoren der Wirtschaft zu finden sind. Dies nicht zuletzt, da der zunehmende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien alle Prozesse der Entwicklung, Herstellung und Nutzung von Sach- und Dienstleistungen durchdringt.

Insofern beschreibt der Begriff ‚Industrie 4.0‘ nur ein Teilaspekt der Digitalisierung von Produkten und Prozessen. Speziell im Dienstleistungsbereich, welcher sich seit den 1970er Jahren zu einem bedeutenden Wirtschaftssektor entwickelt hat und hauptsächlich auf der Verarbeitung von Informationen basiert, ist das Potenzial zur Digitalisierung von Produkten und Prozessen tendenziell grösser und technologisch eher weniger anspruchsvoll.

Ein wesentlicher Treiber der dritten industriellen Revolution war die ‚Elektronische Datenverarbeitung‘, welche mit der Entwicklung der ersten technischen (CAE, CAD, CAM) und betriebswirtschaftlichen (PPS, ERP) IT-Systeme diese Entwicklung erst ermöglichte. Obwohl sich die technologischen Möglichkeiten inzwischen weiter entwickelt haben, sind die Erkenntnisse bezüglich erfolgreichem Einsatz von Informatiksystemen immer noch gültig.

Die im Rahmen von ‚Industrie 3.0‘ gemachten Untersuchungen zeigten auf, dass

  • nur ganzheitliche Konzepte, welche neben Informationstechnik auch Aspekte von Organisation (Prozessorientierung), Personal (Qualifikation) und Kultur (Change Management) berücksichtigen, mittel- und langfristig Erfolg haben,
  • die Erreichung von Unternehmenszielen, wie eine effiziente und kundenorientierte Auftragsabwicklung in Kombination mit hoher Flexibilität und Qualität, hauptsächlich von der optimalen Gestaltung der Geschäftsprozesse sowie einer adäquaten Arbeitsorganisation beeinflusst werden.

Dies bedeutet, dass der angestrebte Nutzen von IT-Systemen grösstenteils von organisatorischen und qualifikatorischen Massnahmen beeinflusst wird. Dies gemäss den Grundprinzipien ‚Organisation vor Automation‘ sowie ‚Qualifizierung als strategische Investition‘.

Entsprechend wichtig ist in Zusammenhang mit der erfolgreichen Digitalisierung die Gestaltung der inner- und überbetrieblichen Geschäftsprozesse, wie dies bspw. in der Bachelor-Studienrichtung ‚Value Network & Process Management‘ an der Hochschule Luzern gelehrt wird.

Weitere Informationen zur Studienrichtung ‚Value Network & Process Management‘ finden Sie hier.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s