F&E-Controlling im Wandel: Kostenschätzung im agilen Entwicklungsumfeld

Sursee. In der 20. Ausgabe vom Podcast «Finance Excellence» spreche ich mit Dr. Sigrid Gschmack über «F&E-Controlling im Wandel: Kostenschätzung im agilen Entwicklungsumfeld».

Dr. Sigrid Gschmack ist freiberufliche Unternehmensberaterin und unterstützt ihre Kunden bei der Optimierung von Planungs- und Reportingprozessen. Sie startete ihre Karriere als Beraterin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und promovierte parallel an der WHU in Vallendar am Institut für Management und Controlling. Als Senior Controllerin für Forschung und Entwicklung war sie bei BMW und zuletzt bei Wirecard tätig.

Die Kernaussagen von Dr. Sigrid Gschmack:

Der Controller ist der Rationalitätssicherer im Unternehmen. Das F&E-Controlling unterstützt die Entwicklung, dass sie sich innerhalb eines gewissen finanziellen Rahmens bewegt. Das Controlling nutzt dazu z. B. das Controlling-Instrument «Target Costing». Es geht um die zentrale Frage: Was darf ein Produkt kosten? Wenn der Kunde ein Reihenhaus erwartet, dann sollte eben kein Schloss konstruiert werden.

Immer mehr Unternehmen verwenden agile Methoden in der Entwicklung. Allerdings ist ein Kerngedanke in der agilen Entwicklung, dass man nicht bereits zu Beginn weiß, wie das fertige Produkt genau aussehen wird. Vielmehr werden in einzelnen Entwicklungs-Sprints nach und nach die Kundenanforderungen abgearbeitet. Deshalb ist im agilen Entwicklungsansatz auch nicht vorgesehen zu Beginn der Entwicklung eine Kostenschätzung abzugeben. Das Management wird aber an das Controlling die Frage stellen, wie viel die Realisierung des Projekts kosten wird.

Eine Methode, die das F&E-Controlling verwenden kann, um die Entwicklungskosten zu bestimmen, nennt sich „Reference Class Forecasting“ also eine Art Planung nach Referenzklassen. Bei dieser Methode wird ein Projektaufwand nicht aus der Innensicht heraus bewertet. Das Projekt wird also nicht in die einzelnen Entwicklungsschritte zerlegt und jeweils genau beurteilt, wie hoch die Kosten dafür sein könnten. Sondern das Projekt wird ins Verhältnis mit anderen Projekten gestellt. Das neue Projekt ist vielleicht einem bereits abgeschlossenen Projekt sehr ähnlich, sodass die Ist-Kosten des abgeschlossenen Projekts als Referenz herangenzogen werden können.

Bei der Anwendung der Referenzklassen-Planung können zwei Herausforderungen auftreten. Eine Herausforderung ist, dass für die Referenzmethode die Kostendefinition eindeutig sein muss. Als zweite Herausforderung ist zu nennen, dass die Referenzklassen kontinuierlich aktualisiert werden sollten.

Link:

Dr. Sigrid Gschmack

Literatur:

Gschmack, Sigrid (2021): Controlling für agile Projekte. Controlling & Management Review (Veröffentlichung im Sommer 2021).

Dr. Ulrich Egle

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